Smog-Alarm: Alten Vespas geht es an den Kragen - Genua will Umweltsünder aussperren
Genua - Die Vespa gehört wohl genauso zum typischen Italienbild, wie Spaghetti oder Pizza. Durch Filme wie „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck oder „Dolce Vita“ von Federico Fellini wurde das zweirädrige Gefährt, das zahllosen Italienern in der Nachkriegszeit Mobilität beschert hat, berühmt.
Heutzutage sind alte Vespas einfach nur Kult. Die Kaufpreise für gut erhaltene „Scheunenfunde“ gehen seit Jahren durch die Decke.
Dass sich die Abgaswerte mit modernen Standards nicht vereinen lassen, stört dabei kaum jemand.
Doch nun sorgt der Bürgermeister von Genua für Furore: Marco Doria hat alte Vespas mit einer Anti-Smog-Verordnung aus der Innenstadt verbannt. Konkret dürfen vor dem Jahr 1999 gebaute Motorroller der Typs „Euro 0“ ab 1. Februar zwischen 7.00 und 19.00 Uhr nicht mehr fahren.
Vespaenthusiasten auf den Barrikaden
Das Verbot löste unter Vespafreunden heftigen Protest aus. Der Vespa Club Genua hat sogar eine Kampagne gegen die Verordnung des Bürgermeisters lanciert, die auch von mehreren Parteien der Stadt getragen wird.
Die Vespafreunde verlangen eine Verschiebung des Verbots, um Alternativen zu finden. Vittorio Vernazzano, der Sprecher des Clubs, argumentierte zudem, dass der Vespa-Roller vor 70 Jahren von dem Genueser Unternehmer Enrico Piaggio entworfen worden sei.
Verordnung wird verschoben und abgeschwächt
Genua (600.000 Einwohner) ist die italienische Stadt mit den meisten Motorrollern. Über 480 motorisierte Zweiräder kommen auf 1.000 Einwohner.
Wohl auch deshalb erklärte sich Bürgermeister Marco Doria bereit, das Inkrafttreten des Fahrverbots auf den 1. April zu verschieben und die Stunden einzuschränken, in denen die Fahrzeuge nicht fahren dürfen.
Mehr könne man aber nicht tun, wird er von italienischen Medien zitiert. Doria erinnert an die Umweltbelastung und daran, dass öffentliche Gesundheit Vorrang habe.
Vespafreunde wollen europäisches Vespatreffen initiieren
Trotzdem wollen sich die Freunde der Vespas und Motorroller in Genua ihren Fahrspaß und wohl auch das Lebensgefühl nicht von der Stadtverwaltung nehmen lassen. Sie kündigen ein großes europäisches Vespatreffen in Genua an.
Die Polemik rund um das „Vespa-Verbot“ hatte nämlich auch im Ausland für Aufsehen gesorgt. Große englische Tageszeitungen brachten das Thema prominent und erinnerten ebenfalls an die Geburtsstätte der Vespa.
http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2 ... p4GpGDkRuE